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Die Ems oder das R(h)eine Emsvergnügen Teil 1


Genauer gesagt, die Ems in der Umgebung von meiner Heimatstadt Rheine.

Während ich diesen Bericht schreibe, ist die Ems von einer Bundeswasserstraße dem Land NRW zugeführt worden. Da hier schon jahrelang kein Berufsschiffsverkehr mehr vorkommt, ist dieses nur eine logische Konsequenz. Außer einem Fahrgastschiff, Ruderern und Paddlern gibt es keine Schiffahrt mehr. Besonders die Kanuten können manchmal zur Plage werden. Aber jeder soll die Möglichkeit haben, seinem Hobby nachzugehen. Solange alle ein wenig Rücksicht aufeinander nehmen, gibt es keine Probleme. Schwarze Schafe gibt es ja bei jeder Gattung.

Im Laufe der nächsten Jahre soll die Ems oberhalb von Rheine in Richtung Greven-Münster renaturiert werden, also in ihren ursprünglichen Naturzustand zurück gebaut werden. Das kann natürlich nur gut sein für uns Angler.

Doch nun zum eigentlichem Fluß. Die Ems ist ca. 30 - 40 m. breit, 2 - 6 m tief, langsam fließend, kurvenreich und stellenweise sehr idyllisch bewachsen. Weiden, Seerosen und alles, was das Anglerherz begehrt. Ein paar kleine Altarme gibt es auch. Hierhin kann man bei steigendem Wasserstand ausweichen, und den einen oder anderen Bartelträger fangen. Allerdings muß man im Besitz einer Jahreskarte sein, ein Tagesschein genügt nicht.

Der Karpfenbestand der Ems ist sehr gut. Viele Karpfen, zwischen 10 u. 15 kg. aber auch größer, sind hier zu Hause. Die ganz großen Exemplare sind allerdings, wie fast überall, schwer zu fangen, da oft viele Unterwasserhindernisse, wie alte Buhnen, Bäume oder vom Ufer überhängende und ins Wasser wachsende Weiden den Karpfen ideale Fluchtgebiete bieten.
An manchen Stellen ist deshalb starkes, schweres Gerät angesagt. Wie sollte es anders sein, als das diese Stellen auch die produktivsten sind. Außenkurven mit einer Wassertiefe von bis zu 6 m. mit viel alten Baumstämmen und Ästen, die jahrelange, immer wiederkehrende Hochwasser aufgetürmt haben, bieten nun einmal viel Nahrung. Muscheln, Krebse und anderes Getier sammelt sich hier in großen Mengen.

Das wissen natürlich auch die Karpfen und halten sich mit Vorliebe hier auf. Wir haben an diesen Stellen schon Fische gehakt, die nicht einen Meter von ihrem Weg abzubringen waren, und mit Volldampf unter einem Baum oder Strauch zogen, auf nimmer Wiedersehen. Deshalb ist es hier auch besonders wichtig, mit fischschonenden Rigs und Montagen zu fischen, damit der so verlorengegangene Fisch sich von der Montage befreien kann. Je einfacher, desto besser.

Wir haben an solchen Stellen schon wahre Sternstunden erlebt, mit zwei Anglern in 24 Stunden 20 und mehr Karpfen gefangen. Andererseits haben wir aber auch schon in einer Stunde 3 Fische im Holz verloren. An solchen Tagen schwört man dann, diesen Angelplatz nie wieder zu befischen, den Karpfen und sich selbst zu liebe.

Die beste Jahreszeit für große Fische ist, wenn der Wasserstand es zuläßt, von März bis Mai, dann wieder September und Oktober. Natürlich kann man auch in der anderen Jahreszeit Karpfen fangen, aber wir reden ja von großen Karpfen. Man darf sicher keine 50 Pfünder wie in Frankreich erwarten ( wann werden die schon einmal gefangen ) aber Fische bis 40 Pfund sind mit ein wenig Geduld, Ausdauer und dem nötigen Glück sicher möglich.

Wer also noch Spaß am Fang eines 20 oder 30iger hat, sollte hier an der Ems einmal sein Bivi aufbauen, was im übrigen kein Problem ist, solange man sich ordentlich benimmt. Chaoten können auch wir nicht gebrauchen, die machen uns höchstens unser schönes Hobby kaputt.
Bei uns genießen Karpfenangler noch einen guten Ruf und das soll auch so bleiben.

Ein Wort zum Anfüttern. Da die Ems einen großen Bestand an Weißfischen ( Brassen, Güsten, Rotaugen ) hat, sollten die Boilies schon einen Mindestdurchmesser von 20 mm haben. Fruchtige und Fischaromen sind nicht schlecht. Wir fischen z.B. EURO-Baits Scent of the sea oder Paradies Bird, oder auch selbst hergestellte Fisch-Boilies.
Für ein verlängertes Wochenende reichen 4-5 kg. Wir füttern wenig Partikel, da diese Schwärme von Brassen und Güsten, aber auch kleinere Karpfen auf den Angelplatz locken. Wer viele Karpfen fangen möchte, sollte es ruhig einmal mit Mais und Kichererbsen versuchen. Mit zwei Ruten diesen Platz befischen und eine Rute nur mit auf PVA aufgezogenen Boilies etwas weiter unterhalb fischen. Die dritte Rute bringt dann oft die größeren Fische etwas abseits vom eigentlichen Futterplatz.

Die besten Angelplätze sind, wie sollte es anders sein, nicht direkt mit dem Auto anzufahren. Deshalb wäre ein Gerätewagen nicht schlecht. Es sei denn, Ihr besucht 5 mal die Woche eine Muckibude und seit deshalb in der Lage, Euer Tackle über Wiesen und Zäune zu schleppen. Aber man sollte ja sowieso sein Gerät und Zubehör auf das Nötigste beschränken, um sich nicht einen Ast abzuschleppen, oder um etwas mobiler und flexibler zu bleiben.
Gute Angelplätze sind im Bereich Elte, Mesum bis zur Bocholter Fähre. Angelkarten gibt es im übrigens in allen Angelgeschäften in Rheine, oder beim SVA - Emsland e.V., allerdings nur mit gültigem Jahresfischereischein.

Vielleicht hat Euch beim Lesen dieses Artikels ja auch schon das „Rheine Emsfieber“ gepackt, und man sieht sich einmal an unserer schönen Ems.



Das R(h)eine Emsvergnügen Teil II.



Nachdem ich in meinem ersten Bericht die Ems oberhalb von Rheine vorgestellt habe, möchte ich Euch nun den Bereich der Ems unterhalb von Rheine ein wenig näher bringen.

Karpfenanglerisch beginnt die Ems erst einige Kilometer unterhalb interessant zu werden, wobei die Ems unterhalb vom Rheiner Emswehr sehr gute Barben beherbergt. Exemplare bis 15 Pfund sind hier schon gefangen worden. Dieses Emsstück ist sehr flach und schnell fließend. 2-3 km weiter, Brücke B 70 N, wird der Strom schon wieder etwas langsamer, hier lohnt dann auch schon ein Karpfenansitz. Etwas weiter stromab kommen wir dann zur Landesgrenze NRW - Niedersachsen. Hier werden dann auch andere Angelscheine benötigt. (Verband Weser-Ems). Ab hier wird die Ems von mehreren Vereinen bewirtschaftet.

Richtig gut wird es aber erst wieder im Bereich Mehringen, Bexten, Listrup. Wechsel zwischen schnell und langsam fließenden Bereichen, tiefen Kurven und Sandbänken machen die Ems hier zum Karpfenangeln attraktiv. Aber wie sollte es anders sein, die besten Stellen sind nur durch lange Fußmärsche zu erreichen. Vor dem Spaß kommt halt die Arbeit.
Bei den Orten Mehringen, Listrup, und Helschen gibt es aber auch schöne Stellen, die relativ gut mit dem Auto anzufahren sind. Etwas weiter stromab kommt dann das Feriengebiet Gleesen. Auch hier gibt es sehr gute Stellen, die mit dem PKW zu erreichen sind.

Alle genannten Stellen werden relativ wenig auf Karpfen beangelt. Man sollte hier schon ein paar mal vorfüttern, um die Fische an die Köder zu gewöhnen. Wenn man sie erst einmal gefunden hat, kann es zu Massenfängen kommen. Selbst Kochtopfangler haben hier im Spätsommer an einem Tag schon mehrere Fische zwischen 20 und 30 Pfund gefangen, (leider). Auch hier gilt, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle und alles richtig gemacht.


Da diese Gewässerstrecke nur wenig mit Karpfen besetzt wird, ist das Durchschnittsgewicht relativ hoch. In den tieferen Gewässerabschnitten gibt es natürlich auch sehr viele Brassen, die Köder sollten deshalb schon eine Nummer größer ausfallen. Harte 20er Boillies halte ich für die Untergrenze für die Ködermontagen.
Als Vorfutter können natürlich auch harter Mais, der nach dem Quellen nur ganz kurz überkocht wird oder andere Partikel genommen werden. Als Boillies kommen alle Geschmacksrichtungen in Frage, die sonst auch fangen. Ich bevorzuge Fischaromen und Fischmehl-Basismischungen, oder Fertigboillies von Euro-Baits, z.B. Scent of se Sea.

Bei Gleesen vereinigt sich die Ems mit dem Dortmund-Ems-Kanal. Ab hier hat man Berufschifffahrt über ca. 3 km bis zum Wehr in Hanekenfähr, dann trennen sich die beiden Gewässer wieder. (Gute Stelle)

Im Bereich um Gleesen hat man durch den Schleusenbetrieb schwankende Wasserstände und Strömungsverhältnisse, was ich persönlich sehr gut finde. Selbst bei stärkerer Strömung sind dann immer wieder Phasen, wo sich das Wasser kurzzeitig staut und man kann dann anfüttern, ohne große Streuwirkung zu haben.

Wie schon erwähnt, treffen sich hier auch Ems und Dortmund-Ems-Kanal. Sollte durch Hochwasser die Ems einmal zuviel Strömung haben, hat man die Möglichkeit, auch im Kanal zu angeln, der in diesem Bereich auch sehr gute Karpfen beherbergt.
Im schiffbaren Teil der Ems und am Kanal sind keine Bivis erlaubt, Schirmzelte dagegen wohl. Auch sollte man nicht mit dem PKW die Leinpfade befahren. Speziell auf der Niedersachsen-Seite kontrolliert die Wasserschutz-Polizei sehr stark, Kosten bei Zuwiderhandlung je 30,-- DM. Muß ja nicht sein. Vor allen Dingen schafft es wieder Ansatzpunkte gegen die Karpfenangler, und das wollen wir ja nicht so gerne, oder?

Erlaubnisscheine gibt es in den Gaststätten an der Ems. In Helschen bei Kalinowski, in Listrup bei Kruse, an der Emsbrücke bei Meier, und in Angelgeschäften in Salzbergen und Rheine.

Da auch in diesem Emsabschnitt teilweise viele Hindernisse (Holz, Sträucher) vorkommen, halte ich fischschonende Montagen für selbstverständlich, alles andere wäre sowieso unverantwortlich und es sollte eigentlich immer so gehalten werden.

Noch ein Tip, wenn Ihr von der lauten Sorte seid oder zu mehreren Leuten angelt, solltet ihr lieber das gegenüberliegende Ufer beangeln, damit am Angelplatz Ruhe ist. Das ist in der Regel kein Problem, weil nur auf ca. 3 km Schiffahrt ist. Da kann man nachts auch mal ein Auge zumachen, ohne einen 1000 Tonnen Run zu haben. Wenn die Bissanzeiger kreischen, sollte es schon ein Karpfen sein.

In diesem Sinne, ran an das R(h)eine Emsvergnügen und nur Dicke.

Werner Kruse

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