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Karpfenangeln in Frankreich


4 Vierziger in 5 Tagen
Als allererstes möchte ich mich als absoluten Frankreich-Fan outen.

Ich fahre nun schon 10 Jahre nach Frankreich zum Karpfenangeln und habe viele Seen in diesem für mich so schönen Land befischt und so gut wie keine negativen Erfahrungen gemacht.

Im Gegenteil, wir haben viele Freundschaften geschlossen. Ob mit Holländern, Engländern, Franzosen oder Deutschen, ein gemeinsames Hobby verbindet nun einmal, und solange jeder ein wenig Rücksicht nimmt, gibt es auch keine Probleme untereinander. Natürlich gibt es auch unter uns "schwarze Schafe" die das Leben der Carpisten, wie uns die Franzosen nennen, schwerer machen als nötig.

Da sind z.B. diejenigen, die Berge von Müll in der Natur zurücklassen, obwohl überall in der Nähe Müllcontainer stehen. Wenn diese voll sind, kann man zumindest seinen Müllsack daneben stellen. Diese Carpisten können zentnerweise Baits und Tackle zum Wasser schleppen, aber ihren Müll nicht entsorgen. Ich möchte nur einmal sehen, wie es bei denen zu Hause aussieht.

Dann sind da noch die ganz Schlauen, die sich nicht an die ausgeschilderten Nachtangelzonen halten. Sie verschaffen sich ihren Vorteil dadurch, dass sie in die verbotenen Zonen mouven und abseits von den normalen Anglern ihre Fische fangen, und sich dann auch noch wundern, wenn die Police de la Peche sauer reagiert. Andere verteilen ihre Marker über den halben See und brauchen Platz für drei. Wenn es nun mal heißt, die Ruten nicht weiter als 100 m rauszubringen, sollte man sich auch einigermaßen daran halten. Einige nennen das wohl "an ihre Grenzen gehen" und fordern dadurch wiederum Kollegen zum Gesetzesmißbrauch auf. Man muß hier in Frankreich nicht gegen bestehende Vorschriften verstoßen, um Fische zu fangen.

Generell ist in Frankreich das Nachtangeln verboten. Wenn die einzelnen Departements dann schon an einigen Seen das Nachtangeln erlauben, sollten wir froh darüber sein und uns an diese Gesetze halten.
Ich habe noch nie davon gehört,das man einem Carpisten das Gerät beschlagnahmt hat, der sich an die Vorschriften gehalten hat. Sicherlich gibt es auch bei den Aufsehern Fießlinge, aber die gibt es in Deutschland auch, und ich denke an den Spruch "wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus". Also geht freundlich auf die Menschen zu und man wird Euch in der Regel auch freundlich behandeln.


Es ist mir auch schon einmal passiert, das ich nachts um 3 Uhr von der Police de la Peche kontrolliert wurde. Die Truppe war vier Mann stark und schwer bewaffnet, stank nach Alkohol und Tabak und sie leuchteten mit ihren Taschenlampen in mein Zelt, so dass meine Dobermannhündin am Rad drehte und ich sie erst ruhig stellen mußte, um überhaupt aus dem Zelt zu kommen. Reine Schikane, dachte ich mir. Grinsend verlangte man meine Permie de Pesche (Angelschein). In solchen Momenten heißt es ruhig bleiben und der Aufforderung nachkommen, um Ärger zu vermeiden. Nachdem sie meinen Angelschein gesehen hatten, zogen sie dann auch wieder ab. Mit der Nachtruhe war es bei mir allerdings auch vorbei. Eine halbe Stunde später fing ich dann einen hohen Vierziger und war mehr als entschädigt.



Das war aber auch das einzige negative Erlebnis mit der Police de la Peche , was ich in all den Jahren hatte. Schlimmer sind da schon an einigen Seen Motorboote und Jet-Ski-Fahrer, die bis an den Uferbereich herankommen und einen durch die mühsam ausgebrachten Schnüre fahren. Das kann vor allem in den Sommermonaten die wahre Hölle sein. Hier muß man sich dann halt auf die Nächte konzentrieren, wenn diese Schwachmaten wieder in den Häfen auf ihrem Liegeplatz liegen.

Im Sommer gibt es fast auf allen Seen Wassertourismus, von Tretbooten, Segelbooten, Ausflugdampfern bis Surfern und Badegästen ist hier alles vertreten. Aber die gibt es an deutschen Gewässern auch. Man muß sich halt den örtlichen Gegebenheiten anpassen und das Beste daraus machen.

Im Übrigen gibt es auch in Frankreich noch Gewässer, wo kaum ein ausländischer Carphunter anzutreffen ist. Man muß ja nicht unbedingt an die hinlänglich bekannten Seen fahren. Hier ist noch so manches Kleinod versteckt, wo Monsterkarpfen auf uns warten. Die Frage ist nur, wie lange läßt man uns noch hier angeln. Wenn es mit den Gesetzesverstößen und Verschmutzungen so weiter geht, bestimmt nicht mehr lange, und es wird in Zukunft immer mehr Karpfenpuffs geben, wo man nummerierte Angelplätze hat und die Aufsicht jeden Carpisten besser unter Kontrolle hat (was für manche Karpfenangler auch besser wäre).

Da wird es den schwarzen Schafen unter uns dann schwerfallen, z.B. Fische zu beschneiden -igitt -, ihren Dreck liegenzulassen, in Schutzgebiete zu fahren, um an ihre Grenzen zu gehen. Dieser Satz brennt mir schon seit Jahren auf der Zunge und ich bin froh, endlich einmal ein paar Sätze darüber geschrieben zu haben. Diese Leute gehen in ihrer Selbstdarstellung einfach zu weit und versauen uns allen unser geliebtes Hobby.

Ich mußte in Frankreich auch schon an meine Schmerzgrenze gehen, aber im positiven Sinne. Erst im letzten Urlaub habe ich meine halbe Angelausrüstung geschrottet. Von gebrochenem Unterfangkescher, einer Rute, kaputten Watstiefeln über leere Batterien für den E-Motor. Zum Rausbringen der Ruten stand mir nur noch ein Paddel zur Verfügung. Bringt einmal bei Sturm eure Montagen raus mit einem 3,50 m langen Schlauchboot und nur einem Paddel, vom Drillen ganz zu schweigen. Ich spüre jetzt noch meine Schwielen in der Hand. Viele meiner Freunde sagen, -warum tust du dir so etwas an- . Aber wenn man dann nachts von einem kreischenden Bissanzeiger geweckt wird, der Carp dann anschließend auf der Matte liegt und beim Wiegen der Zeiger der Waage über die 20 kg. Marke geht, dann weiß ich, warum. Gibt es etwas schöneres als Lohn für harte Arbeit?



Hier fallen mir dann immer die Sprüche von anderen Karpfenanglern ein, wenn man von großen Fischen erzählt und es heißt ja,in Frankreich. Die meinen wohl, dass die Karpfen in Frankreich einem nur so an den Haken schwimmen. Solchen Leuten kann ich nur raten, fahrt einmal hin, und Ihr werdet sehen, wie schwer es sein kann, auch in diesem gelobten Karpfenanglerland große Fische zu fangen.
Dagegen ist Kanal, Flußangeln und Seenangeln bei uns zu Hause Kindergarten und Pille Palle. Man kann meiner Meinung nach auch an seine Grenzen gehen, ohne großartig gegen Gesetze zu verstoßen! Wir sollten nie vergessen, dass wir nur Gäste in einem fremden Land sind und uns dann auch entsprechend benehmen. Eines hätte ich fast vergessen. Es gibt in Frankreich auch Franzosen, die ihrem Hobby, nämlich dem Angeln, nachgehen wollen. Man kann sich vorstellen, das auch sie darüber nicht begeistert sind, wenn der ganze See mit Markern übersäht ist und sie nicht mehr wissen, wo sie ihren Lieblingsfischen Zandre und Broschee nachstellen sollen. Versetzt Euch einmal in ihre Lage. Da stehen dann nicht nur die Marker von den anwesenden Anglern, sondern auch noch die von den Vorgängern und deren Vorgänger, grauenhafter Müll auf dem See.
Da hat man 1 Woche oder 2 Wochen an deinem See gesessen und nicht einmal die Zeit gefunden, seine Marker wieder einzusammeln, so kann und darf es einfach nicht weitergehen. Deshalb kann ich nur an meine deutschen Kollegen appellieren, benehmt euch anständig. Sonst wird dieses schöne Karpfenanglerland auf kurz oder lang für uns zum Karpfenangeln verloren gehen!

Aber jetzt habe ich Euch lange genug mit meinen Sorgen genervt. Während ich diese Zeilen geschrieben habe, bereitete ich schon meinen nächsten Frankreichtrip am 07.10.2000 vor.

In diesem Sinne

Euer Werner Kruse

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