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Mecklenburg Vorpommern......


eine Landschaft und ein Wasserpotenzial, welches jedes Karpfenherz höher schlagen läßt. Ob Fluß, Kanal oder Seen, hier findet jeder, was er sucht.

Hier gibt es noch jungfräuliche Gewässer, was modernes Karpfenangeln betrifft. Ich bin an Seen gewesen, wo die einheimischen Angler noch nie ein Rod Pod mit Bißanzeiger gesehen haben, und das im Jahr 1999. Unglaublich, ja, aber Ihr könnt es mir glauben. Das ist aber auch gut so, denn für die meisten hiesigen Angler ist nur ein „toter Fisch ein guter Fisch“, aber davon später mehr.

Es war im Juli 1999, ich hatte es geschafft, trotz intensiver Karpfenangelei 25 Jahre verheiratet zu sein. Gar nicht so einfach für eine Frau, dieses so viele Jahre zu tolerieren. An dieser Stelle noch einen Dank an meine Frau. Wir wollten keine große Fete zu Hause feiern, sondern lieber zusammen ein paar Tage Urlaub machen. Da wir unsere Dobermann-Hündin Donna nicht in eine Pension geben wollten, entschlossen wir uns, ein Häuschen in einer ruhigen und abgeschiedenen Gegend, natürlich direkt an einem See, zu mieten. Dieses findet man reichlich in Mecklenburg-Vorpommern.

Da wir ein paar Tage relaxen wollten, hatte ich eigentlich nicht vor, meine Angelausrüstung mitzunehmen. Maria mußte mich richtig dazu überreden ( ehrlich ). Sie meinte, soviel Wasser direkt vor der Tür und ich ohne Angelausrüstung, das könne nicht gutgehen.
Sie hatte natürlich recht und ich war froh, daß sie so reagierte. Aber in erster Linie wollte ich mich hier nur einmal umsehen, um vielleicht später mal einen Tourn zu unternehmen.

Unser Ferienhaus lag wirklich direkt am See. Man mußte nur über eine Wiese gehen und war schon am Wasser. Hier lagen auch zwei Ruderboote, die zum Haus gehörten. Vorsichtshalber hatte ich mein Echolot mitgenommen, man kann ja nie wissen. Ich lud meine beiden Frauen ganz uneigennützig zu einer Ruderpartie ein, natürlich mit dem Echolot im Boot. Vor uns lag ein See, wunderschön anzusehen, ca. 20 Hektar groß, ringsherum mit Schilf bewachsen, Riesen-Seerosenbänke, Flachwasserzonen und tiefe Stellen bis 12 m Wassertiefe.

Auf dieser ersten Erkundungstour konnte ich mir schon ein ganz gutes Bild von dem Gewässer machen. Bei der nächsten Ruderpartie hatte ich dann schon ein paar Baits mit dabei, um die Rüsselmäuler ein wenig einzustimmen auf die Sachen, die da noch kommen sollten, nicht viel, vielleicht 5 - 6 kg selbstgedrehte Fischboillies und Jointet Vanila von Eurobaits, .... man gönnt sich ja sonst nichts.

Am Tage war es zu heiß zum Angeln, ca. 30°Grad im Schatten und mehr. Wir machten einige Radtouren, ich wollte ja die Umgebung, sprich Seen, entdecken. Diese gab es wirklich in Hülle und Fülle, alle paar Kilometer tat sich ein neues Kleinod auf.
Die meisten Seen waren aber wirklich nur mit dem Fahrrad zu erreichen. Selbst wenn man einmal mit dem Auto heran kam, fand man keine Stelle, wo man vernünftig ans Ufer heran konnte. Riesen-Schilfbänke säumen die meisten dieser Seen. Ohne Boot lief hier gar nichts. Man braucht wirklich ein paar Tage, nur um Anfahrtswege, Eigentumsverhältnisse usw. abzuklären.

Am dritten Abend war es endlich soweit, ich wollte ein paar Stunden angeln. Angefüttert hatte ich ja schon einige Male. Als es anfing zu dämmern, traute ich meinen Augen und Ohren nicht. Die Wasseroberfläche schien regelrecht zu kochen. Große Fische durchbrachen die Wasseroberfläche, fast überall klatschte und platschte es.

Mein Blutdruck begann zu steigen, denn bei dieser Fischaktivität konnte es ja nicht mehr lange dauern, und mein Delkim müßte die ersten Töne von sich geben, dachte ich mir. Aber die Aktivitäten wurden weniger und meine Delkims blieben stumm bis zum frühen Morgen. Die Luftfeuchtigkeit nahm zu und alles wurde feucht. Ich beschloß, einzupacken und vielleicht am nächsten Abend einen neuen Versuch zu starten.
Am Tage sprach ich mit einigen Einheimischen, um etwas mehr über den Fischbestand zu erfahren. Man erzählte mir von großen Mengen Marmorkarpfen, die dieser See beherbergte. Allein im letzten Jahr seien ca. 30 Tonnen dieser Fische abgefischt worden.

Man muß sich das einmal vorstellen, 30 Tonnen aus so einer kleinen Wasserfläche. Offensichtlich waren die nächtlichen Buckler also Marmorkarpfen. Auf meine Frage nach Spiegel- oder Schuppenkarpfen bekam ich die Antwort, die gibt es hier nicht.
Hatte ich also auf das falsche Pferd gesetzt? Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Die nächste Ruderpartie war angesagt, natürlich wieder mit Echolot. Meine Frau hatte das noch nie gesehen und war ganz fasziniert von den Anzeigen auf dem Display. Ich fand vor einer Schilfbank eine flach abfallende Stelle. Hier hieß es Futter Marsch, noch einmal 5 - 6 kg Mais, Pellets und Boilies. Es war schon Donnerstag, und wir hatten unser Haus bis Samstag gemietet, hatten aber bis Montag Urlaub. Diese Tage hatten wir Zeit zum Angeln, und die wollten wir auch nutzen.

Das Ruderboot stand mir noch bis Samstag zur Verfügung. Die nächsten 2 Tage hatte ich also noch die Möglichkeit, mit dem Boot zu füttern. Am Freitag abend versenkte ich meinen jämmerlichen Rest an Mais und Pellets und ein paar Boilies. Ohne Boot konnte ich keine Partikel mehr füttern, da der Angelplatz ca. 100 m vom Ufer entfernt war.
Da der Platz, an dem ich mein Camp aufstellen wollte, auch von Stippanglern aufgesucht wurde, machte meine Frau den Vorschlag, schon am Freitag abend den Platz zu sichern und aufzubauen. Ich war natürlich sofort damit einverstanden. Mein Angelplatz lag schräg gegenüber der Stelle, an der auch die Boote lagen. Maria wollte mit Donna die Nacht über noch im Haus bleiben und schon mal den Koffer packen. Ich war happy, eine Nacht mehr zum Angeln.

Am nächsten Morgen kam Maria dann mit dem Frühstück, und ich konnte ihr nur von ein paar Brassen, die der Mais und die Pellets auf den Futterplatz gelockt hatten, berichten. Im Laufe des Vormittags kam auch ein Polizist, der meine Papiere überprüfte. Als er doch das Camp sah ( welches wir ganz geschickt in eine Lichtung aufgebaut haben, damit es nicht so schnell gesehen wurde), fragte er ganz erstaunt: „Sie campen doch hier nicht“ ? Nein, haben wir gesagt, das wäre nur ein Wetterschutz und das wir das Ferienhaus gegenüber gemietet hätten. Damit gab er sich auch zufrieden.

Im Laufe des Tages kamen ständig irgendwelche Angler, die mein Ruten-set-up bestaunten und die mir alle erzählten, daß es hier keine Karpfen und erst recht keine Großen gäbe. So langsam schwand mein Optimismus auf den Nullpunkt. Sollten hier wirklich keine Karpfen drin sein? Man erzählte mir wieder von den Marmorkarpfen. Ich wollte wissen, wie hier auf diese Fische geangelt wird. Ich traute meinen Ohren nicht, was ich hier zu hören bekam. „Wir werfen mit großen beschwerten Drillingen in die Schwärme hinein und schlagen einfach an. Die Fische wurden also nicht irgendwie überlistet, sondern einfach gehakt. Widerliche Vorstellung, so einen Fisch mit einem großen Drilling im Bauch oder Rücken, Pfui!

Ich konzentrierte mich wieder auf mein Vorhaben, die angeblich nicht vorhandenen Karpfen zu fangen. Eine Nacht wollte ich es noch versuchen. Ich fütterte mit der Cobra noch ein paar Boilies und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten. Aber sie kamen nicht.
Nach einer unruhigen Nacht saßen wir am Morgen leicht gefrustet beim Frühstück. Wir hatten alle wenig Schlaf bekommen. Unsere Hündin Donna war bald die ganze Nacht über wach und knurrte fast ohne Unterbrechung, da nicht weit von unserem Camp eine Straße vorbeiführte, die viel befahren wurde. Der Belag war echte DDR-Arbeit, jedes Auto hatte seinen eigenen Rappelton und man konnte sie schon am Klappern erkennen, denn viele fuhren regelmäßig über diese Straße.

Gerade hatten wir unser Frühstück beendet, als zwei junge Burschen aus dem Nachbarort, die von ihrem Disco-Besuch kamen, bei uns vorbeischauten. Sie wußten, daß wir vorher schon im Ferienhaus gewohnt haben (schließlich war unser Ferienort ein Dorf mit 100 Einwohnern) und fragten nach meinen Fängen. Sie rieten mir, einen Nachbarsee zu befischen, da hier ja, wie bereits gesagt, angeblich keine Karpfen sein sollten. Plötzlich sah ich auf meinem Futterplatz Blasen aufsteigen. Ich angele nun schon lange genug auf Karpfen, um die Situation richtig einzuschätzen und bot den beiden eine Wette um 100,-- DM an, daß ich in den nächsten Minuten einen Karpfen fangen würde. Die Antwort kam leider nicht mehr zustande, denn mein Delkim pfiff ab, Full run.
Der ging ab wie die Feuerwehr. Meine beiden Besucher trauten ihren Augen nicht. Der eine stammelte, „so etwas habe ich bis jetzt nur auf Video gesehen,“ super, geil usw., was für ein Riese, worauf ich antwortete, „na, so groß ist der auch nicht“ und daß ich schon Größere gefangen hätte. Ein bißchen muß man ja auch einmal den Max heraushängen lassen. War ja auch nicht gelogen.
Aber noch hatte ich ihn ja nicht. Ich mußte den Fisch aus etwa 100 m Entfernung herandrillen, vom Gefühl her schätzte ich ihn auf jenseits der 20er Marke. Nach kurzem, heftigen Drill konnten wir ihn keschern und hatten einen makellosen Spiegelkarpfen auf der Matte liegen. Beim Wiegen blieb der Zeiger der Waage bei 28 Pfund stehen. Nicht schlecht dafür, daß es hier keine Karpfen gibt, konnte ich mir den Beiden gegenüber nicht verkneifen.
Plötzlich holte einer der Burschen sein Handy aus der Tasche und verkündete, er wolle seine Mutter anrufen, damit sie schon mal den Backofen vorheizt. Ich mußte ihn dann erst einmal ruhigstellen und ihm klarmachen, daß wir Catch and Release betreiben und keine Karpfen abschlachten. Das konnte er nun überhaupt nicht verstehen.

Nachdem ich den Beiden erklärt habe, wieviel Laich so ein Karpfen produziert und somit ja auch der Karpfenbesatz in ihrem See anwächst, wurden sie schon etwas einsichtiger. Nach ein paar Fotos setzte ich den schönen Fisch unter unverständlichen Blicken der Beiden in sein nasses Element zurück. An diesem Tag fing ich noch zwei Fische von 24 und 18 Pfund. Meine Ausdauer hatte sich mal wieder bezahlt gemacht. In der folgenden Nacht hakte ich noch einen wunderschönen Spiegler von 36 Pfund.
Wahnsinn, hätten wir nur mehr Zeit gehabt und ich meine komplette Ausrüstung dabei, vor allem ein Boot und mehr Baits.


Da für den folgenden Tag noch heißeres Wetter angesagt wurde, entschlossen wir uns, unsere Zelte abzubrechen und die Heimreise anzutreten in der Gewißheit, sicher noch einmal zurückzukommen an diesen See, in dem angeblich keine Karpfen sind.

Übrigens, der 36 Pfünder hatte am Sonntag morgen noch Maisreste im Karpfensack hinterlassen. Ein Zeichen, das die Fische erst einmal den Futterplatz annehmen mußten. Vielleicht hatten sie ja auch noch nie Boilies gesehen oder gefressen. Ich bin überzeugt, daß es sicher noch größere Fische gibt in diesem See. Wenn ich sie gefangen habe, werde ich das Geheimnis dieses Sees in Mecklenburg-Vorpommern lüften.

Aber keine Panik, nicht schon wieder einer, der sein Gewässer nicht preisgibt. Ich glaube, daß die meisten dieser Seen Karpfen beherbergen. Probiert es einfach einmal aus, und verlaßt Euch nicht nur auf Aussagen von Einheimischen, wie mein Beispiel beweist.
Die Seen, die ich meine, liegen in der Nähe von Neustrelitz. Dort gibt es auch die Angelscheine. Nachtangeln muß extra bezahlt werden, ebenso die dritte und vierte Rute.
Wenn es in einem See nicht klappt, der Nächste ist nur ein paar Kilometer weiter. Zwei bis drei Tage sollte man aber schon an einem See ausharren, schließlich muß das Futterangebot von den Karpfen ja erst einmal gefunden werden. Vielleicht sollte man sich auch nicht nur auf eine Stelle konzentrieren, und die Fische an verschiedenen Stellen eines Sees suchen.

Ich denke, zu einer anderen Jahreszeit, nämlich Mai oder September, Oktober wird hier noch wesentlich mehr Fisch zu fangen sein. Immerhin hatten wir die bereits erwähnten 30° Grad im Schatten und mehr, nicht gerade optimale Temperaturen zum Karpfenangeln.

Bis dann, und nur Dicke.

Werner Kruse

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