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oder wie aus Karpfen-Werner....Waller-Werner wurde


Aber immer der Reihe nach.
Juni 2003 - 7 Tage Karpfenangeln in Frankreich waren angesagt. Nach der üblichen Prozedur Baits, Tackle usw. packen, ging es los. Nach einer reibungslosen Anfahrt lag er vor uns, der See meiner größten Erfolge. Alles schien so vertraut wie eh und je. Kein Wind, keine Wellen, der See lag wie eine Badewanne vor uns, für diese Jahreszeit eigentlich schon zu niedrig. Das Wasser war schon sehr weit abgelassen, so flach wie ich es nur von den Herbsttouren kannte.
Die ersten Tage verliefen auch recht ruhig wie nicht anders zu erwarten war. Endlich, am dritten Tag, zog ein kleines Unwetter auf, Wind, etwas Regen, wie üblich verwandelte sich der Boden in kürzester Zeit in eine Matschwüste. Zehn Meter laufen und die Gummischuhe wogen locker 5 kg. Zum Abend hin hatten wir schon wieder blauen Himmel, aber das Wasser des See´s war durch den Sturm richtig schön aufgewühlt worden und wir hofften auf die kommende Nacht. Ich konnte vor lauter Vorfreude und Erwartung des ersten Bisses kaum einschlafen. Es dauerte dann doch bis zum frühen Morgen, bis sich mein Delkim meldete. Nach kurzem heftigen Drill konnte ich den ersten Karpfen der Session landen. Ein makelloser Schuppi von 32 Pfund machte mit meiner Abhakmatte Bekanntschaft.


Nach kurzer Fotosession konnte er dann gleich in sein Element zurück. Der Anfang war gemacht.
Am Nachmittag des gleichen Tages, ich war gerade mit meinem Kollegen Volker zum Auto gegangen, um eine neue Batterie für den Motor zu holen, als mein Delkim einmal kurz piepte. Ich sah zu meiner Rute und konnte beobachten, wie sie sich langsam, aber kontinuierlich nach vorne bog. Die Batterie abgestellt und durchgestartet. In wenigen Sekunden war ich an meiner Rute und setzte den Anschlag. Aber was war das? Ich mußte einen Monsterkarpfen gehakt haben, der Fisch nahm direkt nach dem Anschlag 30 - 40 Meter Schnur von der Rolle, obwohl ich den Köder ca. 250 m weit draußen abgelegt hatte. Ich rief Volker zu, daß er das Boot holen soll, ich hätte einen Riesen gehakt. Wenige Sekunden später saßen wir beide im Boot und fuhren Richtung Fisch. Da wir ein eingespieltes Team sind, ging alles zügig voran. Das einzige Problem bestand darin, daß ich nur mein kleines Achilles-Boot dabei hatte, für zwei Leute lausig eng, und wir mußten uns ganz schön dünne machen, bei Volker nicht ganz so einfach, wie man auf den Fotos sehen kann.
Der Tanz begann. Noch nie in meiner Angelkarriere habe ich so einen Drill erlebt. Der Fisch zog ruhig aber beständig seine Bahnen. Es kam mir vor, als wenn wir nur ein Spielball in unserem Boot für ihn waren. Die Zeit verging, und meine Armalite Top Gun 3,5 lb bog sich bis zum Rollenhalter. Immer wieder nahm der Fisch Schnur. Wenn ich 10 Meter gedrillt hatte, zog er 20 m wieder runter von der Rolle. Wir waren schon über eine halbe Stunde auf dem See und hatten den Fisch noch nicht einmal gesehen. Meine Kräfte schwanden zusehends. Volker fragte, ob er mich ablösen solle, aber ich verneinte und sagte: Da muß ich durch.
In mir kamen Gedanken an einen Weltrekordfisch auf. Nie zuvor hatte ich so etwas an der Angel gehabt. Ich habe schon viele große Karpfen gefangen, aber dieser Fisch war der Höhepunkt in meinem langen Anglerleben. Aber auch der Fisch schien jetzt langsam müde zu werden, seine Fluchten wurden kürzer. Ich hatte jetzt die Schlagschnur auf der Rolle, dieses beruhigte mich doch ungemein. Plötzlich sah ich das Ende von meinem Tangleschlauch, der Fisch war kurz vor´m auftauchen. Mir stockte der Atem vor Spannung, daß Monster erstmals zu sehen. Dieser dachte aber nicht an Sichtkontakt, ein Riesenschwall und ein grosser heller Fleck war alles, was ich sah und dann ging er wieder in die Tiefe. Ungeheuerlich, was dieser Fisch für eine Kraft hatte. Ich dachte nur, hoffentlich schlitzt er nicht aus, je länger man einen Fisch drillt, je größer ist die Gefahr, daß der Haken sich löst.

Es waren mittlerweile ca. 40 Minuten vergangen. Ich drehte die Bremse etwas fester und fing wieder an zu pumpen. Er kam langsam aber sicher nach oben. Da war er wieder, der Tangleschlauch, aber jetzt kam der Fisch auch hinterher. Wir trauten unseren Augen nicht, ein Riesenwaller lag der Länge nach an der Oberfläche. Der Pur Liver Boilie hing aus seinem großen Maul. Was für ein Monster. Jetzt mußte er nur noch in den Kescher. Wallergriff oder so fiel aus mangels Handschuh, und Platz im Boot war auch nicht. Aber wir hatten den großen Kescher und konnten ihn mit viel Mühe hineinbugsieren. Nach einem Freudenschrei und gegenseitiger Gratulation ging es zurück Richtung Ufer. Unsere Frauen, die den Vorgang vom Ufer aus beobachtet und auf Videokamera festgehalten hatten, warteten schon, um endlich zu erfahren, was wir denn da im Kescher hatten. Wir riefen ihnen zu, die Matten nebeneinander zu legen, eine würde wohl nicht reichen für diesen Monsterfisch.
Am Ufer angekommen trugen wir den Waller gemeinsam zu den Matten, ganz schön schwer war er. Wiegen und Messen war angesagt. Der Zeiger der Waage blieb bei 35 1/2Kilo stehen, und das Maßband zeigte 169 cm an.


Jetzt werden gestandene Welsangler sagen, kleine Fische. Aber wir angelten ja nicht auf Wels, hatten also keine 5-6 lb Ruten und Multirollen in Big Game Größe, sondern für diese Art Fisch zu leichtes Gerät. Nach kurzer Erholungsphase starteten wir eine Mega-Fotosession und entließen den Giganten wieder in sein angestammtes Revier. In der nächsten Nacht fing ich noch einen 15 kg. Wels.


In gut 10 Jahren, wo ich diesen See befische, habe ich nicht einen Waller gefangen und nun gleich zwei in einer Session. Zum Futter muss ich noch sagen, dass ich großflächig mit Red Fisch Pellets Pur Liver und Gamarus Boilies von Eurobaits gefüttert habe. EURO-Baits
Nun noch zum oben genannten Namen in der Überschrift. Den Namen Karpfen-Werner hat mir mal die kleine Tochter eines Kollegen gegeben, und Volker meinte dann bei einem kleinen Umtrunk, den Namen in "Waller-Werner" verändern zu müssen.

In diesem Sinne nur dicke "Carps und Waller"
Werner Kruse

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